Internationalisierung des Studiums
Hochschul-Informations-System
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Bei der Ermittlung der Ziehungsquoten wurde die 14. Sozialerhebung als Prognoseinstrument zu Hilfe genommen, da Zahlen der amtlichen Statistik in der erforderlichen Differenziertheit zum Ziehungszeitpunkt nicht zur Verfügung standen. Die gewählten Ziehungsquoten sollen Fallzahlen sicherstellen, die eine Auswertung für einzelne Studienfächer ermöglichen, jeweils getrennt für alte und neue Bundesländer sowie für Fachhochschulen und Universitäten. Für die neuen Bundesländer müssen hier Abstriche gemacht werden (teilweise werden hier fachliche Zusammenfassungen erforderlich sein: z.B. Studierende der Elektrotechnik- und des Maschinenbau).
Für die Prognose des Rücklaufs und für die Festlegung der Ziehungsquoten konnte auf Daten der 14. Sozialerhebung für 157 von insgesamt 240 bundesdeutschen Hochschulen zurückgegriffen werden. Der größere Teil der nicht für die Prognose berücksichtigten Hochschulen bietet die entsprechenden Studienfächer nicht an, ein kleiner Teil wurde aufgrund zu geringer Fallzahlen in der 14. Sozialerhebung nicht berücksichtigt. Die Prognose-Grundgesamtheit bestand somit aus allen Studierenden im Datensatz der 14. Sozialerhebung, die sich im Erststudium befinden, von deutscher Nationalität sind und sich im 6. bzw. einem höheren Semester an Fachhochschulen bzw. im 8. oder einem höheren Semester an Universitäten befinden und die eines der genannten Studienfächer studieren. Auf der Grundlage des Rücklaufs für jede Hochschule sowie unterschiedlicher Ziehungsquoten in der 14. Sozialerhebung konnte so eine Schätzung der Anzahl der Studierenden an den Hochschulen gemacht werden, die den dargestellten Selektionskriterien entsprechen. Die Auswahl der an der Befragung zu beteiligenden Hochschulen sowie die Festlegung unterschiedlicher Ziehungsquoten wurde entsprechend folgender Kriterien vorgenommen:
1. Es sollte sichergestellt sein, daß weitgehend Fachhochschulen und Universitäten aller Bundesländer (alter wie neuer Bundesländer) einbezogen werden.
2. Für jedes Studienfach sollte mindestens jeweils eine Hochschule ausgewählt werden, bei der die Auslandsquote (Anteil der Studierenden, die einen studienbezogenen Auslandsaufenthalt durchgeführt haben) nach den Angaben in der 14. Sozialerhebung besonders hoch bzw. besonders niedrig war.
Die Ziehungsquoten wurden sodann so gewählt, daß sich für
jedes Studienfach sowohl für Fachhochschulen als auch für Universitäten,
sowohl für neue wie für alte Bundesländer auswertbare Grundgesamtheiten
ergaben. Die Anwendung dieser Kriterien führte zur Auswahl von 49
Hochschulen. Von diesen erklärten sich die 48 in
Abbildung
A.1 ausgewiesenen Hochschulen zur Mitwirkung an dieser Befragung bereit.
Die unterschiedlichen Ziehungsquoten können der
Abbildung
A.2 entnommen werden. Bei Auswertungen wurden diese Unterschiede in
den Ziehungsquoten (soweit dies inhaltlich geboten ist) durch Gewichtung
der Fälle mit entsprechenden Faktoren ausgeglichen.
Die Befragung wurde schriftlich durchgeführt. Die von HIS postfertig gemachten Erhebungsunterlagen wurden den Hochschulen zum Versand übergeben. Die Hochschulen wurden gebeten, die Adressen der zu befragenden Studierenden aus dem hochschulinternen Adressenpool entsprechend der von uns gemachten Vorgaben (nur deutsche Studierende, nur Studierenende im Erststudium, nur Studierende ab dem 6. Hochschulsemester an Fachhochschulen und ab dem 8. Hochschulsemester an Universitäten) zu ziehen und auf das Versandkuvert aufzutragen. Diese Vorgehensweise wurde aus Datenschutzgründen gewählt. HIS gelangte so zu keinem Zeitpunkt an Adressen von Studierenden. Bei von HIS in der Vergangenheit durchgeführten Erhebungen hat es sich als deutlich rücklaufsteigernd erwiesen, wenn die Befragten nach ca. 2 Wochen nochmals an die Ausfüllung des Fragebogens erinnert wurden. Da wegen der Anonymität der Erhebung weder HIS noch die Versandhochschulen kontrollieren konnten, wer geantwortet hat, mußte diese Mahnaktion nochmals an jeden befragten Studierenden gerichtet werden. Die Fragebogen wurden von den Hochschulen in der Zeit vom 15. bis 19. Mai 1996 bei der Post aufgegeben. 14 Tage später, in der Woche vom 29. Mai bis 3. Juni 1996, wurden von den Hochschulen die Erinnerungskarten auf den Weg gebracht. Alle Fragebogen, die bis Mitte Juni eintrafen, wurden bei der Auswertung berücksichtigt. Die Daten der zurückgesandten Fragebogen wurden auf maschinenlesbaren Datenträgern erfaßt und einer Plausibilitätsprüfung unterzogen.
Die Rücklaufcharakteristik kann
Abb.
A.3 entnommen werden. Rund zwei Drittel der ausgefüllten Fragebogen
erreichte HIS bereits in den ersten beiden Wochen (10 Werktagen) nach der
Versandwoche. Dies entspricht in etwa dem Rücklaufverhalten bei anderen
von HIS durchgeführten Erhebungen. Die zwei Wochen nach dem Versand
aufgegebenen Erinnerungskarten an alle Probanden bewirkten, daß der
Rücklauf in der Folgewoche deutlich anzog und dann allmählich
abflaute.
Nach den eingegangenen Meldungen der Hochschulen wurden abzüglich
der unzustellbaren Sendungen insgesamt 7912 Studierende mit Befragungsunterlagen
versorgt. Von 3267 Studierenden wurde ein Rücklauf registriert. 11
Rückläufe wurden im Rahmen der Plausibilitätsprüfung
ausgesondert, so daß der letztlich verwertbare Rücklauf 3249
Fragebogen umfaßt. Die Nettorücklaufquote liegt damit bei 41,2%.
Die Rücklaufquoten differieren stark je nach Hochschule (
vgl.
Abb. A.1). Die niedrigste Rücklaufquote liegt bei 30%, die höchste
bei 70%. Deutlich wird dabei, daß sich in kleineren Hochschulen in
der Regel höhere Rücklaufquoten finden als in großen Hochschulen.
Während von den befragten Fachhochschulstudierenden etwa 40% geantwortet
haben, waren dies in Universitäten mit etwa 42% geringfügig mehr.
Bei den Universitätsstudierenden finden sich auch deutliche Unterschiede
je nach Herkunftsland. Etwa 48% der Studierenden aus den Universitäten
der neuen Länder, aber nur 40% der Studierenden an Universitäten
der alten Länder waren bereit, den Fragebogen auszufüllen.
Aus den dargelegten Gründen wurden für diese Befragung nur Studierende einiger weniger ausgewählter Studienfächer berücksichtigt, die sich im Hinblick auf die zentralen Fragestellungen dieser Untersuchung in ihrem Verhalten deutlich vom bundesdeutschen Durchschnittsstudierenden unterscheiden. Auf der Grundlage dieser Befragung können daher keine repräsentativen Aussagen für alle deutschen Studierenden getroffen werden. Die Repräsentativitätsprüfung für die einzelnen Studienfächer hatte das Problem zu lösen, daß für die gewählten Grundgesamtheiten (nur deutsche Studierende, nur Erststudierende, nur Studierende ab dem 6. bzw. ab dem 8. Semester) keine Vergleichsdaten der amtlichen Statistik verfügbar waren. Aus diesem Grunde wurde zur Repräsentativitätsprüfung der Datenbestand der 14. Sozialerhebung aus dem Jahr 1994 herangezogen.
Geprüft wurde nach den Strukturmerkmalen
Geschlecht, Alter und durchschnittliches Hochschulsemester (
vgl.
Abb. A.4). Die durchschnittliche Abweichung für alle Befragten
liegt für das Merkmal Geschlecht bei 2,5 Prozentpunkten, für
das Durchschnittsalter bei 0,5 Jahren, für Hochschulsemester bei 0,4
Semestern. Bei den in dieser Untersuchung befragten Studierenden sind im
Vergleich zur 14. Sozialerhebung Frauen geringfügig überrepräsentiert,
ebenso wie ältere Studierende und Studierende in höheren Hochschulsemestern.
Erhebliche Unterschiede finden sich für das Strukturmerkmal Geschlecht
bei den Fachhochschulstudierenden der Betriebswirtschaftslehre (hier liegt
der Frauenanteil bei den von uns befragten Studierenden um 10 Prozentpunkte
höher als in der 14. Sozialerhebung) sowie bei den Universitätsstudierenden
der Psychologie (hier sind Frauen mit einer Prozentpunktdifferenz von knapp
12 deutlich unterrepräsentiert). Die deutlichste Abweichung für
das Strukturmerkmal Alter findet sich bei den Studierenden der Sozialpädagogik,
Sozialarbeit, Sozialwesen. Hier sind die Befragten unserer Untersuchung
im Schnitt eineinhalb Jahre älter als die Befragten der 14. Sozialerhebung.
Die größten Abweichungen für das Merkmal durchschnittliche
Hochschulsemester finden sich bei den Universitätsstudierenden des
Maschinenbaus (die durchschnittliche Semesterzahl differiert hier um knapp
ein Semester).
Ob diese Abweichungen und Verzerrungen der Stichprobenauswahl geschuldet sind, ober ob sie Ausdruck tatsächlicher Veränderungen im Zeitverlauf darstellen (die 14. Sozialerhebung wurde im Frühjahr 1994 durchgeführt, diese Befragung zwei Jahre später, im Frühjahr 1996), kann nicht mit Sicherheit gesagt werden. Anders als die Sozialerhebung, die ein breites Spektrum von Themen umfaßt, von dem der größere Teil für so gut wie alle Studierende von Bedeutung ist, befaßt sich diese Untersuchung mit einem sehr speziellen Gegenstand. Mit der Auswahl der an dieser Befragung zu beteiligenden Studienfächer wurden darüber hinaus genau diejenigen Studierenden befragt, bei denen eine geringe Neigung zu studienbezogenen Auslandsaufenthalten und ein geringeres Interesse an einer Internationalisierung des Studiums zu vermuten ist. Es kann daher nicht ausgeschlossen werden, daß diese Befragung insbesondere solche Studierende angesprochen hat, die - anders als ihre Kommilitonen in ihrem Studienfach - einer Internationalisierung des Studiums aufgeschlossen gegenüber stehen. Während daher im allgemeinen eine Repräsentativität des Rücklaufs nicht angezweifelt werden kann, ist insbesondere bei der Interpretation der berechneten Auslandsstudienquoten mit Vorsicht zu Werke zu gehen: Wir gehen davon aus, daß die im allgemeinen deutlich gestiegenen Quoten zum größeren Teil durch tatsächliche Veränderungen in den vergangenen zwei Jahren bewirkt werden. Ein kleinerer Teil dieser Steigerung könnte sich aber auch durch eine geringfügige Überrepräsentierung von Studierenden mit Interesse an einer Internationalisierung des Studiums ergeben. Vor dem Hintergrund dieser Überlegung sind diese Ergebnisse daher dann als Tendenzaussagen zu betrachten.
Im ersten Abschnitt des Fragebogens werden "Angaben zum Studium" erfragt. Dabei geht es um formale Merkmale wie Hochschule, Semesterstand, angestrebter Abschluß, Studienfach; auch zwei Fragen zu beruflichen Vorerfahrungen wurden hier untergebracht.
Der zweite Teil des Fragebogens "Erwartungen an Europa" erfragt einerseits den Kenntnisstand der Studierenden zum europäischen Integrationsprozeß und andererseits einen Fragenkomplex zu den Erwartungen bzw. Befürchtungen, die von den Studierenden mit der europäischen Integration verbunden werden. Mit dieser Fragenbatterie soll erstens geprüft werden, inwieweit die Einstellungen zu Europa Einfluß haben auf studentische Auslandsmobilität und die Haltung zur Internationalisierung des Studiums; sie bietet darüber hinaus zweitens die Möglichkeit, zu prüfen, inwieweit die politische Einstellung der befragten Studierenden zu Ausländern sich auswirkt auf ihre Einstellung zur Internationalisierung des Studiums.
Im dritten mit "Auslandserfahrungen" überschriebenen Teil des Fragebogens wird nach Art und Dauer der bisher von den Befragten durchgeführten Auslandsaufenthalten (studienbezogene wie nichtstudienbezogene) sowie nach Zielländern gefragt. An die Studierenden, die einen studienbezogenen Auslandsaufenthalt durchgeführt haben, richten sich die Fragen nach der Organisationsform und dem Träger des Auslandsaufenthaltes, nach der Finanzierung des studienbezogenen Auslandsaufenthaltes, nach Problemen nach der Rückkehr vom Auslandsaufenthalt sowie einer Frage zu den Erträgen des studienbezogenen Auslandsaufenthaltes.
Durch die Frage 20 "Halten Sie einen studien- oder berufsbezogenen Auslandsaufenthalt im allgemeinen für sinnvoll?" wollten wir den Prozentsatz "hartnäckiger" Auslandsgegner ermitteln. Diese Gruppe Studierender wurde über den nächsten Fragenkomplex hinweg gefiltert.
Dieser Teil befaßt sich mit den Gründen, die für einen Auslandsaufenthalt sprechen und mit den Aspekten, die einen studienbezogenen Auslandsaufenthalt behindern bzw. verhindern oder befördern hätten können. Weiter wird nach möglicherweise geplanten Auslandsaufenthalten gefragt. Es wird gefragt, mit welchem zeitlichen Aufwand sich um Informationen zu studienbezogenen Auslandsaufenthalten bemüht worden ist.
Ebenfalls in diesem Abschnitt untergebracht wurde eine Frage zur Relevanz insbesondere "internationaler" Fähigkeiten und Qualifikationen bei einer Bewerbung bzw. einer Berufstätigkeit in dem von den Studierenden angestrebten Berufsfeld.
Der folgende Abschnitt "internationales Studium: Modelle für
die Zukunft" erfragt die Akzeptanz der im Fragebogen verwendeten Modelle
internationalisierter Curricula ( vgl.
Anhang B). Diese Modelle enthalten einerseits in der Fachliteratur
vorgefundene "real-existierende" Möglichkeiten der Internationalisierung
des Studiums; sie wurden zum anderen Teil auf der Grundlage der OECD-Typisierung
internationalisierter Curricula sowie der im europäischen Bildungsprogramm
SOKRATES enthaltenen Systematik eigens für diesen Fragebogen entwickelt.
Befürchtungen, dieser sich über 1 1/2 Seiten erstreckende, zum
größten Teil aus Text bestehende Teil des Fragebogens könnte
zu Einbrüchen im Rücklauf führen, haben sich nicht bestätigt.
Die letzte Frage in diesem Block enthält eine Batterie von 24 Items
zum Persönlichkeitsmerkmal Extraversion, die ausführlich im Anhang
A.5 diskutiert wird.
Der nächste Abschnitt des Fragebogens zu den Fremdsprachenkenntnissen wird eingeleitet von der aus der Sozialerhebung bekannten Frage zur Qualität der von den Studierenden erlernten Fremdsprachen. Es schließen sich an Fragen zur Einschätzung der Qualität des Fremdsprachenunterrichts in der Schule sowie zwei Eichfragen zur Qualität der Fremdsprachenkenntnisse (wieviel fremdsprachige Literatur haben Sie gelesen, wieviel länger dauert die Erarbeitung eines fremdsprachigen Fachartikels).
Im vorletzten Abschnitt "Angaben zur Person" werden die üblichen persönlichen Daten erfragt sowie Fragen zum Zeithaushalt der Studierenden, zur Selbsteinschätzung ihrer Studienleistungen und zu ihrer finanziellen Situation im Semester nach ihrem Grundstudium gestellt.
Der Fragebogen schließt ab mit einem Abschnitt "Angaben über die Eltern", in dem Grunddaten zur sozialen Herkunft der Studierenden erfragt werden und - für die Forschungsfrage dieser Untersuchung von besonderem Interesse - einige Fragen zur "internationalen Orientierung" der Eltern gestellt werden.
Dem Fragebogen lag ein Anschreiben bei (ebenfalls im Anhang), in dem die Studierenden aufgefordert wurden, durch die Ausfüllung des Fragebogens Einfluß zu nehmen auf bildungspolitische Entscheidungen. Es wurde das Untersuchungsziel erläutert, die üblichen Angaben zur Anonymität, zur Freiwilligkeit der Teilnahme und zum Datenschutz gemacht und die Wichtigkeit jeder einzelnen Antwort betont. Es wurde ein letztes Rücksendedatum ("deadline") angegeben, was nach einer Untersuchung von Roberts et al. 1978 sowohl die Rücklaufquote als auch die Rücklaufgeschwindigkeit verbessert. Abschließend wurde den Studierenden das Angebot gemacht, ihnen bei Interesse den Ergebnisbericht dieser Untersuchung zukommen zu lassen. Dieses Angebot haben viele Studierende wahrgenommen. Das Anschreiben erfüllt die von Richter 1970 gegebenen 11 Empfehlungen zum Aufbau eines Begleitschreibens.
Im folgenden werden die Regeln beschrieben, nach denen die Codierung der Stellenanzeigen erfolgte. Nicht genannte Variablen bedürfen keiner weiteren Erläuterung.
Dieses Merkmal wurde dichotomisiert, so daß Mehrfachnennungen möglich waren. Konnte sich auf eine Stelle ein Maschinenbauer ebenso wie ein Chemiker bewerben, so wurde der Anzeige sowohl das Merkmal Maschinenbau als auch das Merkmal Chemiker zugewiesen. Vercodet wurden nur die auch in der Befragung "Internationalisierung des Studiums" erfaßten Studienabschlüsse (Betriebswirtschaftslehre, Architektur, Elektrotechnik, Maschinenbau, Informatik, Sozialarbeit/-pädagogik/-wesen, Biologie, Chemie, Physik, Pädagogik, Psychologie, Soziologie, Politik und Sozialwissenschaften). Bei Nennung von in dieser Untersuchung nicht berücksichtigten Studienabschlüssen (z.B. "gesucht werden Absolventen der Medizin oder der Chemie") wurden nur die jeweils relevanten vercodet (nur Chemie, nicht aber Medizin).
Hier wurden vier Fälle unterschieden: a) ausdrücklich Universitätsabschluß gefordert, b) ausdrücklich Fachhochschulabschluß gefordert, c) ausdrücklich beide Abschlußarten möglich, d) keine Angabe hierzu.
Hier wurden sechs Fälle unterschieden: a) es wurde ausdrücklich darauf hingewiesen, daß sich auch Absolventen ohne Berufserfahrungen bewerben können, b) der Anzeigentext enthielt eine Formulierung wie: "auch Bewerber ohne oder mit wenig Berufserfahrungen", c) Fälle, in denen entweder bis zu 3 Jahren Berufserfahrungen gefordert oder in denen Formulierungen benutzt wurden wie: "mehrjährig", d) mehr als 3 bis 5 Jahre Berufserfahrung; hier wurden ebenfalls eingeordnet Formulierungen wie: "tiefgreifende Berufserfahrungen", e) mehr als 5 Jahre Berufserfahrung; hier wurden auch Fälle eingeordnet, in denen Leitungspositionen zu besetzen waren und gleichzeitig mehrjährige Berufserfahrung gefordert war.
Diese Variable gibt an, ob spezifische Berufserfahrungen verlangt werden (Berufstätigkeit in einem speziellen Arbeitsfeld).
Hier wurde unterschieden zwischen öffentlichem Dienst und freier Wirtschaft. Unter öffentlichem Dienst wurden alle Arbeitgeber erfaßt, die nach BAT oder in Anlehnung an den BAT vergüten, also auch z.B. Verbände etc.
Mit dieser Variable wurden nicht nur die Fälle erfaßt, in denen ausdrücklich "soziale Kompetenz" gefordert wurde. Hier wurde ebenso vercodet, wenn die erwarteten Qualifikationen in diesen Bereich fallen. Beispiele: "... gesunde Mischung aus Durchsetzungskraft und Kompromißfähigkeit"; "... sie verfügen über ... Verhandlungsgeschick"; "... die über ausgeprägte Konfliktsteuerungsfähigkeiten verfügen"; "... ausgeprägte Teamfähigkeit"; "... gute Kommunikationsfähigkeit".
Es wurden zwei Fälle unterschieden: a) alle Fälle, in denen "Englischkenntnisse vorteilhaft wären" oder die Qualität der geforderten Sprachkenntnisse nicht deutlich wird, b) alle Anzeigen, in denen gute oder sehr gute Englischkenntnisse verlangt werden. Hier wurden ebenso Fälle eingruppiert, in denen verhandlungssicheres Englisch, fließend Englisch o.ä. verlangt wurde oder in denen gar der Anzeigentext in Englisch abgefaßt ist.
Hier wurde die Mindestanzahl an Fremdsprachen vercodet, in denen Bewerber Kenntnisse haben müssen.
Hier wurden alle Anzeigen erfaßt, in denen die inserierte Tätigkeit mit Reisen verbunden ist. Unterschieden wurde zwischen a) nationaler und b) internationaler Reisebereitschaft.
In der differentialpsychologischen Forschung findet ein Persönlichkeitsmodell
breite Anerkennung, das fünf große Faktoren - "big five"
- unterscheidet. (
vgl.
Abb. A.5) Von besonderer Bedeutung ist in diesem Zusammenhang der Faktor
I "Extraversion" sowie der Faktor V "Offenheit für
Erfahrungen". Da einerseits der Länge eines Fragebogens Grenzen
gesetzt sind und andererseits für "Offenheit für Erfahrungen"
wenig Forschungsergebnisse zur Erfaßbarkeit eines solchen Faktors
vorliegen, beschränkten wir uns auf die Messung des Persönlichkeitsfaktors
"Extraversion". Die Persönlichkeitsdimension "Extraversion"
spielt darüber hinaus in den meisten bekannten Persönlichkeitstheorien
eine wichtige Rolle. Ihre Existenz kann am ehesten als gesichert angesehen
werden.
Auf der Grundlage mehrerer deutschsprachiger Fragebogen zur Extraversion
(u.a. des häufig verwendeten Eysenck-Persönlichkeits-Inventar
EPI) wurde von Mummendey (H. D., 1995, S. 122 ff.) ein ökonomisiertes
Erfassungsinstrument in Form von 24 Kurz-Items entwickelt. In
Abb.
A.6 geben wir diese von uns in Frage 42 des Fragebogens verwendeten
Items sowie ihre Antwortrichtung im Sinne des Persönlichkeitskonstrukts
wieder: Hohe Zustimmung zu einem Item mit einem Plus steht für einen
hohen Grad an Extraversion, hohe Zustimmung zu einem Item mit einem Minus
steht für einen hohen Grad an Introversion.
Bei der empirischen Prüfung dieser Stichwortform zur Erfassung von Extraversion findet Mummendey eine hohe Korrelation von r = 0,87 zwischen Kurzform und Originalfragebogen. Er kommt zu dem Schluß, daß die Stichwortform des Fragebogens zur Messung von Extraversion als gültiges Äquivalent zur Originalform angesehen werden kann.
Den
Abbildungen
A.7 und
A.8
lassen sich die in unserer Befragung gefundenen Verteilungen der Einzel-Items
zum Persönlichkeitsfaktor "Extraversion" entnehmen. Die
einzelnen Items sind hier jeweils bereits in die gleiche Richtung gepolt.
Hohe Werte stehen für einen hohen Grad an Extraversion, niedrige Werte
stehen für einen hohen Grad an Introversion. Es zeigt sich, daß
die meisten der Items gut diskriminieren. Eine Ausnahme hiervon bilden
einerseits das Item 3 "denke nach, bevor ich handle" und das
Item 9 "bevorzuge intensive Freundschaften", die eine stark linkssteile
Verteilung aufweisen. Die sehr niedrigen Mittelwerte von 1,9 bzw. 1,8 für
diese Items weisen darauf hin, daß der von uns befragte Personenkreis
angehender Akademiker zu einem großen Teil aus Menschen besteht,
die nachdenken, bevor sie handeln bzw. intensive Freundschaften bevorzugen.
Möglich ist aber auch, daß den Studierenden diese Eigenschaften
im hohem Maß als sozial erwünscht erscheinen. Eine stark rechtssteile
Verteilung findet sich für das Item "bewege mich langsam und
bedächtig". Mit diesem Merkmal können sich offensichtlich
nur wenige Studierende identifizieren. Durch eine sehr hohe Quote von Antwortverweigerungen
macht sich verdächtig das Item "bin ungern unter frozzelnden
Leuten". Entsprechenden Anmerkungen in den Fragebögen ist zu
entnehmen, daß der Begriff "frozzeln" nicht allen Befragten
geläufig war.
Um das Instrumentarium für unsere Fragestellungen weiter zu schärfen, haben wir es einer cluster-analytischen Untersuchung unterzogen. Es wurde zunächst eine Clusterung im Nearest Neighbour-Verfahren (Single linkage) durchgeführt. Aufgrund der Variablenclusterung im Nearest Neighbour-Verfahren wurden 6 Items als Ausreißer identifiziert und von der weiteren Auswertung ausgeschlossen. Diese Items sind "bin sorgenfrei", "bin leicht herausforderbar", "schreie zurück", "neige zu konzentriertem Arbeiten", "bin ungern unter frozzelnden Leuten", "spiele anderen gerne Streiche". Ebenfalls ausgeschlossen wurde die Variable "gehe viel aus". Sie erwies sich cluster- wie faktorenanalytisch als zuordnungsinstabil und verschlechterte regelmäßig die Homogenität der Gruppen, denen sie zugeordnet wurde.
Eine Variablenclusterung der verblieben 17 Variablen im Ward-Verfahren
ergab 4 deutlich voneinander unterscheidbare Cluster. Das Dendrogramm in
Abb.
A.9 zeigt von links nach rechts gelesen, in welchem Schritt des Verschmelzungsverfahrens
die Variablen zu einem Cluster vereinigt werden konnten. Auf den frühesten
Stufen des Vereinigungsprozesses werden zu einem Cluster zusammengefaßt:
die Variablen "bin gesellig/amüsierfähig" und "bin
kontaktbedürftig/gesellig", die Variablen "handle gern schnell"
und "bin schnell entschlossen" sowie die Variablen "bin
sehr lebhaft" und "bin spontan". Die horizontale Skala des
Dendrogramms zeigt, wie ähnlich bzw. wie unähnlich sich die verschiedenen
Variablen bei ihrer Verschmelzung zu einem Cluster waren. Der Wert 25 steht
hier für die größte Unähnlichkeit, der Wert 1 für
die größte Ähnlichkeit. Die Verschmelzung zu vier Clustern
bei dem Wert 4 dieser Skala zeigt, daß die Cluster untereinander
sehr homogen sind. Zur Absicherung des Ergebnisses wurden Clusterungen
unter Verwendung unterschiedlicher Clusterungs-Methoden und Proximitätsmaßen
(u.a. Average-Linkage-Within-Groups-Verfahren, Euklidische Distanz, Quadrierte
Euklidische Distanz) verwendet. Die Clusterbildung erwies sich hierbei
als äußerst stabil und führte bei keiner Änderung
dieser Parameter zu einer anderen Clusterbildung.
Die Clusteranalyse zeigt, welche der Items sich aufgrund des Antwortverhaltens der Befragten als besonders ähnlich erweisen und daher zu Gruppen zusammengefaßt werden können. Eine Interpretation dieser gebildeten Gruppen kann sie jedoch nicht leisten. Dies erfordert immer einen subjektiven Eingriff. Die von uns vorgenommene Interpretation der gefundenen Cluster weisen wir in der folgenden Zusammenstellung aus:
Cluster 1: Soziabilität (Menschliches Kontaktbedürfnis, Geselligkeit; Kontaktorientierung vs. Sachorientierung)Die Dimensionen Soziabilität (Cluster 1), Handlungsorientierung
(Cluster 3) und Sicherheitsinteresse vs. Veränderungsbereitschaft
(Cluster 4) lassen sich auch faktorenanalytisch bestätigen. Durchgeführt
wurde eine Hauptkomponentenanalyse, deren Ziel darin liegt, die Datenstruktur
durch möglichst wenige Faktoren möglichst umfassend zu reproduzieren.
Für die Persönlichkeitsdimensionen 3 (Handlungsorientierung)
und 4 (Sicherheitsinteresse) finden sich Faktorladungen von 0,6 für
"bin abenteuerlustig" und "denke nach bevor ich handle"
und Faktorladungen von nicht unter 0,7 für die anderen Items. Auch
für die Dimension 1 - Soziabilität - ergeben sich für vier
der genannten Variablen Faktorladungen größer 0,6. Die Dimension
2 findet sich in der Faktorenanalyse nicht. Für die Frage studentischer
Auslandsmobilität sind insbesondere die Dimensionen Handlungsorientierung
und Soziabilität von besonderer Bedeutung. Auf die Dimension 1 - Soziabilität
- wird insbesondere auch bei der Diskussion des Zusammenhangs zwischen
Persönlichkeitsstruktur und der Akzeptanz unterschiedlicher Möglichkeiten
der Internationalisierung des Studiums ( Kapitel
8.1.7) noch einmal eingegangen. Dort wird auch gezeigt, daß genau
die Items über die Akzeptanz bzw. Nichtakzeptanz von Modellen mit
hoher Auslandsmobilität entscheiden, die übereinstimmend von
Cluster und Faktorenanalyse der Persönlichkeitsdimension "Handlungsorientierung"
zugeordnet worden sind. In der Darstellung des Berichts werden die für
die Fragestellung relevanten Teile der Persönlichkeitsmerkmale in
zwei Dimensionen dargestellt:
1. Extraversion: Diese Persönlichkeitsdimension wird abgebildet durch einen Mittelwert über 18 der 24 im Fragebogen erhobenen Einzel-Items. Die durch die Clusterung im single-linkage-Verfahren identifizierten Ausreißer wurden von der Berechnung ausgeschlossen.
2. Die Sub-Dimensionen Handlungsorientierung.
Für diese beiden Skalen läßt sich auch mit Hilfe einer Reliabilitätsanalyse eine hohe Homogenität und interne Konsistenz der durch sie dargestellten Persönlichkeits-Items nachweisen. Als Reliabilitätskoeffizient wurde Cronbachs's Alpha verwendet; dieser kann Werte zwischen 0 und 1 annehmen, wobei der Wert 1 für völlige Übereinstimmung, der Wert 0 für völlige Ungleichheit steht. Es errechnen sich für beide Skalen hohe Koeffizienten: für die Dimension Extraversion findet sich ein Alpha von 0,84, für Handlungsorientierung: 0,73. Es wird überwiegend auf Aggregationen dieser Persönlichkeitsdimensions-Variablen zurückgegriffen. Hierfür wurde jeweils das mögliche Antwortspektrum (von 1 = geringste mögliche Ausprägung bis 5 = höchste mögliche Ausprägung) in 6 gleiche Teile geteilt. Aus Gründen der Übersichtlichkeit wurden jeweils die unteren und die oberen beiden Sechstel zu einer Gruppe zusammengefaßt. Die Dimension Handlungsorientierung stellt hierbei eine Subdimension der Persönlichkeitsdimension Extraversion dar, die wiederum nur einen Ausschnitt der Gesamtpersönlichkeit beschreiben kann.
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© 1997,
Hochschul-Informations-System GmbH Hannover
Peter Müßig-Trapp (muessig@his.de)