Internationalisierung des Studiums
Hochschul-Informations-System
|
|
Die Darstellungen dieses Kapitels beziehen sich auf zwei unterschiedliche
Datenquellen: einerseits auf die 1994 durchgeführte 14. Sozialerhebung
des Deutschen Studentenwerkes und andererseits auf die im Rahmen dieses
Projektes durchgeführte Befragung "Internationalisierung des
Studiums". Der Vorzug der 14. Sozialerhebung ist ihre flächendeckende
Repräsentativität: Es können Aussagen für alle deutschen
Studierenden getroffen werden. Sie dient daher als Datenquelle
für Kapitel
7.3, in dem ein Überblick über studienbezogene Auslandsaufenthalte
deutscher Studierender gegeben wird. Demgegenüber können auf
der Grundlage der Erhebungen dieses Projektes nur Aussagen für Studierende
ausgewählter Fächergruppen getroffen werden. Diese repräsentieren
nicht die deutschen Studierenden insgesamt. Bei Interpretationen ist es
wichtig, die Einschränkungen bei der Stichprobenziehung nicht aus
dem Blickfeld zu verlieren: Es wurden nur Studierende ab dem 6. Semester
an Fachhochschulen bzw. ab dem 8. Semester an Universitäten im Erststudium
befragt; Studierende großer Fächergruppen, wie z.B. Medizin
und Rechtswissenschaften, wurden nicht befragt. Die im
Kapitel
7.4 durchgeführten Detailanalysen können daher auch nur für
diesen eingeschränkten Personenkreis Gültigkeit haben. Eine Übertragung
der Ergebnisse auf andere Studierendengruppen oder auf die deutschen Studierenden
insgesamt bleibt Vermutung und muß daher je nach Fragestellung und
Studierendengruppe mit mehr oder weniger großer Vorsicht durchgeführt
werden.
Unter den Studierenden gibt es einen breiten Konsens, daß studien- oder berufsbezogene Auslandsaufenthalte im allgemeinen sinnvoll sind. 97% der Befragten dieses Projekts antworteten auf eine entsprechende Frage mit ja. Die Frage ist sehr allgemein gehalten; ihr zuzustimmen, dürfte nicht schwergefallen sein. Das Ergebnis ist dennoch in zweierlei Hinsicht von Bedeutung:
Internationale Orientierung und Fähigkeiten können nicht nur durch studienbezogene Auslandsaufenthalte gewonnen werden: auch andere Formen des Auslandsaufenthalts, die nicht im direkten Zusammenhang mit dem Studium stehen, können ein besseres Verständnis anderer Kulturen bewirken und damit z.B. internationale Kommunikationsfähigkeit verbessern. Auch der Erwerb von Fremdsprachenkenntnissen ist nicht an die Studienbedingtheit eines Auslandsaufenthaltes gebunden. Auslandsaufenthalte können daher auch dann für die Internationalisierung der Hochschulen relevant sein, wenn sie nicht im Rahmen eines Studiums durchgeführt werden. Aus diesem Grunde wurden für diese Untersuchung erstmalig Studierende auch nach nicht-studienbezogenen Auslandsaufenthalten gefragt.
Fast alle Studierenden waren schon einmal im Ausland; mindestens für
eine Urlaubsreise. Allerdings finden sich deutliche Unterschiede nach Fächergruppen
(
siehe
Abb. 7.2): immerhin gut 8% der Ingenieurwissenschaftler sind in ihrem
Leben noch nie aus Deutschland herausgekommen, dies gilt ebenso für
Informatiker (knapp 8%) und in kaum geringerem Umfang für Studierende
der Naturwissenschaften (gut 7%). Von den Studierenden der Politik- und
Sozialwissenschaften haben demgegenüber nur etwa 2% noch nie den Weg
ins Ausland gefunden.
Der qualifikationsfördernde Effekt von Urlaubsreisen dürfte
eher gering sein.Von besonderem Interesse sind daher Auslandsaufenthalte,
die nicht oder nicht ausschließlich zu Urlaubszwecken durchgeführt
werden.
Abbildung
7.3. läßt sich das Spektrum der Formen nicht-studienbezogener,
aber auch nicht touristischer Auslandsaufenthalte entnehmen, das im Fragebogen
vorgegeben war; die geringe Quote von nur 3% für die Auffangkategorie
"Sonstiges" zeigt, daß die von den Befragten genutzten
Möglichkeiten mit dieser Liste relativ vollständig abgebildet
werden. Die größte Rolle bei nicht-studienbezogenen Auslandsaufenthalten
jenseits des Tourismus spielt der Schüleraustausch. Ein Viertel aller
Befragten sind auf diese Weise noch zu Schülerzeiten ins Ausland gekommen,
davon zwei Drittel für einen Monat oder weniger, immerhin ein Drittel
für zwei und mehr Monate. Ein Fünftel aller Befragten hat eine
Sprachreise im Ausland durchgeführt; hiervon wiederum etwa zwei Drittel
für einen Monat oder weniger und ein Drittel für zwei Monate
oder mehr. Die Frageformulierung ließ den Studierenden bewußt
die Möglichkeit, hier auch selbst organisierte Sprachreisen einzutragen.
Die Abgrenzung zwischen einer selbst organisierten Sprach- bzw. einer Urlaubsreise
wurde hierbei den Studierenden überlassen. Der Unterschied dürfte
i.d.R. auch überwiegend in den Intentionen der Reisenden und nicht
in äußeren Merkmalen zu finden sein. Etwa 10% der Befragten
haben zeitweilig im Ausland gelebt. Die Hälfte hiervon für weniger,
die andere Hälfte für mehr als 10 Monate. Kaum weniger Studierende
waren für ein nicht-studienbezogenes Praktikum im Ausland (8%), hiervon
etwa die Hälfte für 3 Monate und weniger, die andere Hälfte
für 3 Monate und mehr. Etwa 6% der Befragten waren in der Vergangenheit
im Ausland berufstätig; Der Median liegt hier bei 4 Monaten; gut ein
Drittel dieser Studierenden hat länger als ein halbes Jahr im Ausland
gearbeitet. Relativ gering ist der Anteil der Studierenden, die einen Au-pair-Aufenthalt
im Ausland durchgeführt haben: nur etwa 3% der Befragten sind für
durchschnittlich ein halbes Jahr auf diese Weise ins Ausland gekommen.
Der Anteil Studierender, die über nicht-studienbezogene, aber nicht-touristische
Auslandserfahrungen verfügen, liegt für alle Befragten bei etwa
50%, bei erheblichen Unterschieden nach Fächergruppen: aus den Ingenieurwissenschaften
führten nur vergleichsweise wenig Studierende (40%) einen Auslandsaufenthalt
dieser Art durch, bei den Politik- und Sozialwissenschaften sind es fast
70% (
vgl.
Abb. 7.4). Für den gesamten naturwissenschaftlich-technischen
Bereich finden sich unterdurchschnittliche Quoten. Deutliche Unterschiede
ergibt auch eine Differenzierung nach Geschlecht. Deutlich mehr Frauen
(60%) als Männer (46%) haben in der Vergangenheit einen nicht-studienbezogenen,
nicht-touristischen Auslandsaufenthalt durchgeführt.
Daß auch in dieser Form durchgeführte Auslandsreisen der
Ausbildung internationaler Qualifikationen dienen können, zeigt
Abbildung
7.5: Auf die Frage nach der Verbesserung von Befähigungen und
Qualifikationen durch nicht-studienbezogene Auslandsaufenthalte finden
sich sehr deutliche Beurteilungsunterschiede, je nach dem, ob Studierende
nur Urlaubsreisen durchgeführt haben oder aber ggf. zusätzlich
in einer der anderen zuvor genannten Formen nicht-studienbezogen im Ausland
waren. Von den Nur-Touristen geben etwa 20% an, ihr Verständnis anderer
Kulturen, Lebens- und Arbeitsweisen habe sich durch ihre Auslandsreisen
sehr stark verbessert, in der Gruppe der Studierenden mit zusätzlich
anderen nicht-studienbezogenen Auslandsaufenthalten sind dies 40%. Besonders
eklatant sind die Unterschiede in der Verbesserung von Fremdsprachenkenntnissen:
nur 10% der Urlaubsreisen haben zu einer sehr starken Verbesserung der
Fremdsprachenkenntnisse geführt, aber 30% der nicht-touristischen
Auslandsaufenthalte. Für die folgenden Befähigungen und Qualifikationen
finden sich im Vergleich des Nur-Tourismus mit anderen Formen des nicht-studienbezogenen
Auslandsaufenthaltes ein jeweils etwa doppelt so hoher Anteil Studierender,
deren Befähigungen sich sehr stark verbessert haben: "Selbstständigkeit,
Unabhängigkeit", "Toleranz", "Allgemeinbildung",
"Kritikfähigkeit gegenüber eigenem Land", "Kommunikationsfähigkeit"
und "Organisationsfähigkeit" (
vgl.
Abb. 7.5).
Die Bedeutung solcher nicht-studienbezogener, nicht-touristischer Auslandsaufenthalte für die Internationalisierung Studierender ist also relativ groß, zumindest aus Sicht der Studierenden selbst. Sie dürften im wesentlichen vor Studienbeginn durchgeführt worden sein und können als vorbereitende und akzeptanzsteigernde Maßnahmen für eine Internationalisierung des Studiums begriffen werden. Dies eröffnet Handlungsmöglichkeiten: Die Quote von 25% Studierender, die schon während der Schulzeit ein Schüleraustausch ins Ausland durchgeführt hat, ist bildungspolitisch beeinflußbar und steigerungsfähig. Ein Beitrag hierzu könnte - sofern die Möglichkeiten von den Schulen wahr- und angenommen werden - die Aktion "Comenius" des Bildungsprogramms der Europäischen Union SOKRATES leisten: Die Aktion 1 dieses Programmteils möchte u.a. den Kontakt zwischen Schülern aus verschiedenen Staaten fördern (Europäische Kommission, 1996, S. 43 ff.). Wenn es gelingt, die Schulbildung noch stärker zu internationalisieren, dann dürfte sich dies mittelfristig auch sehr positiv auf Internationalisierungsbestrebungen in der Hochschulbildung auswirken: auf der Grundlage bereits gemachter internationaler Erfahrungen und damit einhergehender verbesserter Fremdsprachenkenntnisse bei Schulabgängern läßt sich eine weitergehende Internationalisierung Studierender im Hochschulbereich weitaus leichter bewerkstelligen.
In den folgenden Unterkapiteln (7.3.1 - 7.3.6) wird ein kurzer Überblick gegeben über den Stand studentischer Auslandsmobilität im Jahr 1994. Datengrundlage ist die flächendeckend repräsentative Befragung von 30.000 Studierenden im Rahmen der 14. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks. Die hier getroffenen Aussagen haben Gültigkeit für alle deutschen Studierenden.
Bei der Berechnung der Anteile Studierender mit studienbedingtem Auslandsaufenthalt
wurden aus den Querschnittsdaten der 14. Sozialerhebung nur Studierende
in den höheren Semestern berücksichtigt (ab dem 8. Hochschulsemester
an Universitäten bzw. ab dem 6. Semester an Fachhochschulen). Diese
Auswahl wurde getroffen, weil ein Teil der Studierenden in den unteren
Semestern im Verlaufe ihres Studiums noch einen Auslandsaufenthalt vornehmen
wird. Eine Querschnittsquote für Studierende aller Semester gibt nur
an, wieviel Prozent der Studierenden zum Datenerhebungszeitpunkt im Ausland
waren; aussagekräftiger und politisch relevanter ist jedoch eine Quote,
die angibt, wieviel Prozent der Studierenden im Verlaufe ihres Studiums
ins Ausland gehen (zur Diskussion verschiedener Auslandsquoten vgl.
Kapitel 4).
1994 waren insgesamt 22% der Studierenden zu Studienzwecken im Ausland
(
vgl.
Abb. 7.6), 9% waren im Ausland immatrikuliert. Damit wurde das bildungspolitische
Ziel, wonach 10% der Studierenden im Verlauf ihres Studiums im Ausland
studiert haben sollen, 1994 nur knapp verfehlt. Wie in
Kapitel
7.4.1 noch gezeigt werden wird, kann davon ausgegangen werden, daß
dieses Ziel 1996 erreicht worden ist. 10% der Studierenden haben ein Praktikum
im Ausland absolviert, 5% haben eine Sprachreise durchgeführt und
6% der Studierenden einen sonstigen studienbezogenen Auslandsaufenthalt.
Für die Studierenden der Befragung "Internationalisierung des
Studiums" konnte die Restkategorie "Sonstiges" aufgeklärt
werden: Es verstecken sich hierunter im wesentlichen Exkursionen (etwa
40%), Forschungsreisen, Teilnahme an Tagungen, Vorbereitung von Diplomarbeiten
und Promotionen etc. (etwa 30%), Studien- und Bildungsreisen (etwa 15%),
Ferienfreizeiten, Sommerakademien (etwa 10%) sowie Berufstätigkeit
(etwa 5%).
Die Bereitschaft, ins Ausland zu gehen, ist nicht bei allen Studierenden gleich; es finden sich im Gegenteil große Unterschiede nach Fächergruppen. So sind z.B. Studierende der Psychologie mit nur 9% weit unterdurchschnittlich und die Studierenden der Sprach- und Kulturwissenschaften mit über 40% weit überdurchschnittlich an studienbezogenen Auslandsaufenthalten beteiligt. Auffallend sind auch die vergleichsweise niedrigen Quoten der ingenieurwissenschaftlichen Fächer (Elektrotechnik, Maschinenbau: 11%) und der Mathematik und Informatik (ebenfalls 11%). Nur geringfügig höher ist die Quote studienbezogener Auslandsaufenthalte für die Studierenden der Architektur und des Bauwesens (13%), den Studierenden der Pädagogik (14%) sowie der Biologie und Chemie (16%). Unterdurchschnittliche Auslandsbeteiligungen finden sich augenfällig in zwei gegensätzlichen Fachkulturen: Auf der einen Seite finden sich hier die eher anwendungsorientierten Studienfächer des Sozialforschungsbereichs Psychologie und Pädagogik, auf der anderen Seite -fast komplett- der naturwissenschaftlich-technische Bereich. Bei aller sonstigen Unterschiedlichkeit scheint diese Studierende ihre Stubenhockermentalität zu einen. Neben den Sprach- und Kulturwissenschaftlern zeichnen sich auch die Mediziner durch eine weit überdurchschnittliche Quote studienbezogener Auslandsaufenthalte aus (36%). Als Repräsentanten des Durchschnitts können die Studierenden der Wirtschaftswissenschaften gelten. Dies gilt nicht nur für die Quote studienbezogener Auslandsaufenthalte (23%), sondern auch für die Auslandsstudienquote (9%). Einen überdurchschnittlichen Anteil Studierender mit Auslandsstudium findet sich - erwartungsgemäß - in den Sprach- und Kulturwissenschaften (22%), aber auch in allerdings deutlich geringerem Umfang in den Rechtswissenschaften (14%). Weit unterdurchschnittliche Quoten finden sich wiederum im naturwissenschaftlich-technischen Bereich sowie in der Psychologie und der Pädagogik (Quoten zwischen 2 und 4%). Besondere Erwähnung verdient noch die im Vergleich sehr hohe Beteiligung von Studierenden der Medizin bei der Durchführung von Auslandspraktika: fast ein Drittel der angehenden Mediziner und Medizinerinnen haben ein Auslandspraktikum durchgeführt - dreimal so viele wie im Durchschnitt.
Frauen gehen häufiger ins Ausland als Männer (
vergl.
Abb. 7.7); dies gilt für alle Arten studienbezogener Auslandsaufenthalte.
Sie nehmen doppelt so häufig wie Männer an Sprachkursen im Ausland
teil (Frauen 8%, Männer 4%), 11% aller Studentinnen führen ein
Auslandsstudium durch (Männer 7%). Die Gesamtquote studienbezogener
Auslandsaufenthalte liegt für Frauen bei 27, für Männer
nur bei 18%.
Noch deutlicher sind die Unterschiede, vergleicht man Studierende an
Universitäten mit denen an Fachhochschulen. Die Quote studienbezogener
Auslandsaufenthalte liegt an Universitäten bei 25%, an Fachhochschulen
nur bei 11%. Ein Auslandsstudium wird von nur knapp 3% der Fachhochschulstudierenden
durchgeführt, bei den Universitätsstudierenden sind es mehr als
dreimal so viele. Ebenfalls dreimal so häufig führen Universitätsstudierende
Sprachkurse im Ausland durch, an Praktika im Ausland nehmen fast doppelt
so viele Universitätsstudierende teil (
vgl.
Abb. 7.8).
Sehr deutlich zeigt sich der Einfluß der sozialen Herkunft: soziale
und ökonomische Voraussetzungen der Herkunftsfamilie scheinen die
Wahrscheinlichkeit eines studienbezogenen Auslandsaufenthaltes zu begünstigen.
Insgesamt entscheiden sich Studierende aus der niedrigen sozialen Herkunftsgruppe
nur halb so häufig für einen Auslandsaufenthalt zu Studienzwecken
wie diejenigen aus einer hohen sozialen Herkunftsgruppe (
vergl.
Abb. 7.9). Dieser starke sozio-kulturelle Einfluß auf das Bildungsverhalten
der Studierenden scheint relativ dauerhaft zu sein. Schon aus den Sozialerhebungen
vor 1994 ging hervor, daß Mobilitätsbarrieren für Studierende
aus bildungsfernen Schichten trotz der bestehenden Förderprogramme
wirksam sind. Das unterschiedliche Beteiligungsverhalten der Studierenden
aus den sozialen Herkunftsgruppen wird noch deutlicher, wenn die 4 Gruppen
hinsichtlich der Form ihrer Auslandsaktivitäten verglichen werden.
Lediglich 5% der Studierenden aus der niedrigen Herkunftsgruppe immatrikulieren
sich an einer Hochschule im Ausland; Studierende aus der hohen Herkunftsgruppe
schreiben sich zu 12% an einer ausländischen Hochschule ein.
Man könnte zu der Vermutung gelangen, daß die Unterschiede
in der Auslandsmobilität zwischen Männern und Frauen sowie zwischen
Studierenden an Universitäten und Fachhochschulen keine eigenständigen
Einflußgrößen darstellen, sondern Reflex der dahinterstehenden
sozialen Herkunft sind. In der Tat gehören Frauen überdurchschnittlich
häufig einer höheren sozialen Herkunftsgruppe an und studieren
deutlich häufiger an Universitäten als an Fachhochschulen; umgekehrt
gilt, daß Studierende an Fachhochschulen ganz überwiegend Männer
sind und überdurchschnittlich häufig einer niedrigeren sozialen
Herkunftsgruppe zugehören. Daß dennoch jedes der drei Merkmale
Geschlecht, Hochschulart und soziale Herkunft einen eigenständigen
Einflußfaktor darstellen, läßt sich
Abb.
7.10 entnehmen: Betrachtet man nur Studierende aus der niedrigen sozialen
Herkunftsgruppe, so wiederholen sich die beschriebenen Unterschiede, wenn
auch auf etwas geringerem Niveau sowohl zwischen Frauen und Männern
als auch zwischen Studierenden an Fachhochschulen und Universitäten.
Gleiches gilt, betrachtet man nur Studierende aus der hohen sozialen Herkunftsgruppe.
Auch hier liegt die Quote studienbedingter Auslandsaufenthalte bei Frauen
überdurchschnittlich hoch (34%; Männer 26%), von den Universitätsstudierenden
gehen mit 31% mehr als doppelt so viele studienbezogen ins Ausland als
von den Studierenden an Fachhochschulen. Selbst wenn zusätzlich zur
sozialen Schicht die Hochschulart bzw. das Geschlecht konstant gehalten
werden, reproduzieren sich die Unterschiede: 12% der Studentinnen aus der
niedrigen sozialen Herkunftsgruppe an Fachhochschulen gehen studienbezogen
ins Ausland, von den Männern der gleichen Gruppe tun dies nur 8%.
Betrachtet man nur Männer aus der niedrigen sozialen Herkunftsgruppe,
finden sich entsprechende Unterschiede zwischen Universitäten und
Fachhochschulen. Im Ergebnis bedeutet dies: jedes der diskutierten Merkmale
hat einen eigenständigen Einfluß; ihre Effekte kummulieren z.B.
in den männerdominierten, eher von Studierenden aus niedrigeren sozialen
Herkunftsgruppen gewählten Fachhochschulen, und alle drei Einflußgrößen
gemeinsam bewirken dann die sehr niedrigen Auslandsstudienquoten in diesem
Bereich, aber es bleiben dennoch eigenständige Einflußgrößen.
Dies könnte sich als bildungspolitisch handlungsrelevant erweisen:
die soziale Herkunft (und die Kontostände der Eltern) haben sicherlich
einen wichtigen Einfluß auf die Auslandsmobilität der Töchter
und Söhne, aber sie haben nicht den alles entscheidenden. Die geringe
Auslandsmobilität der Fachhochschulstudentinnen und -studenten beispielsweise
könnte auch von den Fachhochschulen selbst beeinflußt sein.
Wie in
Kapitel
4 gezeigt werden konnte, scheinen die Fachhochschulen allerdings dabei
zu sein, sich internationale Räume in hoher Geschwindigkeit zu erschließen.
In einigen Fällen (insbesondere Betriebswirtschaftslehre) sind sie
an den konkurrierenden Fachbereichen der Universitäten bereits vorbeigezogen.
Das elterliche Portefeuille wurde bereits kurz angesprochen, und in
der Tat hat das Nettoeinkommen der Eltern einen erheblichen Einfluß
auf die Auslandsmobilität der Studierenden. So gehen von den Studierenden,
die das elterliche Nettoeinkommen auf monatlich nicht höher als 4.000
DM schätzen, lediglich zwischen 16 und 18% ins Ausland, von den Studierenden,
die glauben, daß ihre Eltern über ein Nettoeinkommen von 5.000
DM oder mehr verfügen, führen zwischen 24 und 30% einen studienbedingten
Auslandsaufenthalt durch (
vgl.
Abb. 7.11). Es ist der Verdienst seit Jahren bestehender Förderungsprogramme
zur Auslandsmobilität, daß die Quote studentischer Auslandsmobilität
bei Studierenden aus ökonomisch schlechter gestellten Familien nicht
noch deutlich niedriger ist.
Ein Auslandsstudium oder -praktikum wird nach der Zwischenprüfung
durchgeführt; dies gilt für fast 80% der Studierenden (
vergl.
Abb. 7.12). Ein Praktikum läßt sich eher während des
Hauptstudiums durchführen; für das in der Regel zeitlich längere
Auslandsstudium wird von einem Drittel der Studierenden nach der Zwischenprüfung
und vor dem Hauptstudium eine Studienpause eingelegt. Bei einem Auslandspraktikum
wird dies nur etwa von einem Fünftel der Studierenden für erforderlich
gehalten. Nur ein sehr kleiner Teil dieser Studierenden verlegt ein Auslandsstudium
(13%) bzw. Praktikum (15%) ins Grundstudium. Immerhin 7 bzw. 8% führen
ein Auslandsstudium bzw. -praktikum noch vor Studienbeginn durch. Sehr
viel gleichmäßiger über das gesamte Studium können
Sprachkurse im Ausland verteilt werden. Etwa ein Viertel der Studierenden
führen einen solchen Sprachkurs während des Grundstudiums, kaum
weniger nach der Zwischenprüfung und vor dem Hauptstudium und ein
Drittel im Hauptstudium durch.
Die Präferenzen bei der Wahl des Zeitpunkts studienbezogener Auslandsaufenthalte geben Hinweise zur Studienplanung (sowohl durch die Studierenden selbst als auch zur Studienplanung seitens der Hochschule): für ein Auslandsstudium noch mehr als für ein Auslandspraktikum gilt, daß sie sehr frühzeitig und noch im Verlaufe des Grundstudiums organisiert und vorbereitet werden müssen. Anders sieht dies bei Sprachkursen aus: hier kann auch kurzfristig geplant werden. Die Durchführung eines Sprachkurses im Ausland scheint demgegenüber in allen Studienphasen möglich zu sein.
Der überwiegende Teil der Studierenden, die bisher über keine
studienbezogenen Auslandserfahrungen verfügen, haben auch nicht die
Absicht, sich in Zukunft solche anzueignen. Ein Drittel dieser Studierendengruppe
ist sich seiner Ablehnung ganz sicher. Weitere 27% wissen nicht, ob sie
planen. Zusammen mit denen, die ganz sicher nicht ins Ausland wollen, sind
dies schon 60%. Weitere 27% halten es für möglich, daß
sie etwas planen ("ja, eventuell"). Auch von diesen "vielleicht
geplanten" Auslandsaufenthalten dürften die wenigsten realisiert
werden; macht summa sumarum gut 85%. Immerhin: 9% der Studierenden planen
fest einen studienbezogenen Auslandsaufenthalt; 5% haben gar bereits konkrete
Vorbereitungen getroffen (
vgl.
Abb. 7.13). Genau umgekehrt ist das Verhältnis bei Studierenden,
die bereits einen studienbezogenen Auslandsaufenthalt durchgeführt
haben: von ihnen beabsichtigen nur 40% keinen weiteren (20% nein, 16% weiß
nicht). Ein Drittel dieser Studierenden plant ganz bestimmt einen weiteren
Aufenthalt (19%) oder hat sogar schon konkrete Vorbereitungen getroffen
(13%).
Die Erfahrungen bereits durchgeführter Auslandsaufenthalte scheinen Mut zu machen für weitere. Hieraus könnten sich Konsequenzen für politisches Handeln ergeben: sehr nachdrücklich angebotene kleinere "Kostproben" von Auslandsaufenthalten könnten sich auch bei ausgesprochen auslandsdistanzierten Studierenden als stark motivierend erweisen.
Studierende ohne Auslandserfahrungen planen einen Auslandsaufenthalt - sofern sie überhaupt einen solchen planen - ganz überwiegend als Studium oder Praktikum (84%). Bei Studierenden mit Auslandserfahrungen verschieben sich diese Anteile zugunsten sonstiger Auslandsaufenthalte. Angesichts der typischen Zeitpunkte für Auslandsaktivitäten dürften sich diese Studierenden bereits in höheren Semestern befinden: das Interesse ist groß, aber die Zeit drängt. Ein Teil dieser Studierenden sucht diesen Konflikt durch die Wahl eines kürzeren sonstigen studienbezogenen Auslandsaufenthalts zu lösen.
In
Abb.
7.14 sind die Auslandspläne von Studierenden verschiedener Fächergruppen
ausgewiesen, die studienbezogen bisher nicht im Ausland waren. Die Fächergruppen
sind von links nach rechts aufsteigend nach der Quote studienbedingter
Auslandsaufenthalte in diesen Fächergruppen sortiert (
vgl.
Abb. 7.6). Es ist eine weitgehende Übereinstimmung von Planung
und Durchführung studienbezogener Auslandsaufenthalte feststellbar.
In Fächern mit geringer Auslandsmobilität finden sich auch wenig
Studierende mit Auslandsplänen; umgekehrt finden sich in Fächern
mit hoher Auslandsmobilität eine große Anzahl Studierender,
die, wenn sie noch keinen Auslandsaufenthalt durchgeführt haben, einen
solchen fest planen. Auffällig sind auch die z.T. sehr großen
Unterschiede in den Formen geplanter Auslandsaufenthalte. Sofern überhaupt
ein Auslandsaufenthalt in Betracht gezogen wird, wird er z.B. von Mathematikern,
Informatikern, Rechtswissenschaftlern, Kunst-, Kultur- und Sprachwissenschaftlern
ganz überwiegend als Auslandsstudium geplant. Bei Studierenden z.B.
der Medizin, der Agrarwissenschaften, der Pädagogik, des Maschinenbaus
und der Elektrotechnik liegen die Präferenzen beim Praktikum im Ausland.
Diese Unterschiede erklären sich nicht allein durch den unterschiedlichen
Zeitaufwand für ein Auslandsstudium bzw. -praktikum. Der naheliegende
Gedanke, daß in Fächergruppen mit geringer Auslandsmobilität
die Präferenzen beim kürzeren Auslandspraktikum liegen ("wenn
schon unbedingt ins Ausland, dann möglichst kurz"), geht z.B.
für die Mathematiker und Informatiker fehl: nur 9% planen einen Auslandsaufenthalt.
Diese 9% planen ihn aber ("wenn schon, denn schon") als Auslandsstudium.
Auf der Grundlage einer Querschnittserhebung wie der 14. Sozialerhebung läßt sich nicht ermitteln, wie sich die Auslandspläne eines Studierenden im Verlaufe seines Studiums verändern. Gesicherte Erkenntnisse hierzu könnte nur eine Längsschnittuntersuchung liefern, die dieselben Studierenden im Verlaufe ihres Studiums mehrfach befragt. Solche Untersuchungen sind jedoch sehr zeit- und kostenaufwendig. Näherungsweise können Zeitverläufe jedoch auch durch die Bildung von Als-Ob-Kohorten bestimmt werden: Hierbei muß unterstellt werden, daß die jährlich hinzukommenden Studierendengenerationen sich in Bezug auf die Fragestellung in ihrem Antwortverhalten nicht prinzipiell von den vorherigen unterscheiden. Es wird also angenommen, daß sich die Studierenden z.B. im 12. Semester vor einem Jahr so verhalten hätten, wie dies die Studierenden tun, die heute im 10. Semester sind und daß sie vor zwei Jahren so geantwortet hätten, wie heute die Studierenden im 8. Semester und so fort.
Ein auf diese Weise erstellter Pseudo-Zeitverlauf von Auslandsplänen
Studierender, die noch nicht im Ausland waren, läßt sich
Abb.
7.15 entnehmen: zu Beginn des Studiums beabsichtigt noch ein relativ
großer Teil der Studierenden (über 50%) einen studienbezogenen
Auslandsaufenthalt. Bis etwa zum 4. Semester bleibt dieser Anteil nahezu
stabil, fällt im 5. und 6. Semester auf deutlich unter 50%, im 7.
und 8. auf unter 40, im 9. und 10. auf 30% und endet in den höheren
Semestern (< 15) bei nur noch 20%. Entsprechend steigt der Anteil Studierender,
die keinen Auslandsaufenthalt planen, im Zeitverlauf kontinuierlich. Für
die Hälfte der Studierenden hat sich die Frage nach dem 10. Semester
entschieden. Sie planen definitiv keinen Auslandsaufenthalt mehr. Relativ
hoch ist auch der Anteil der Studierenden, für den schon zu Beginn
des Studiums ein Auslandsaufenthalt nicht in Betracht kommt (knapp 20%
"nein", 30% "weiß nicht"). Aufschlußreich
ist auch die Entwicklung der Formen geplanter Auslandsaufenthalte im Zeitverlauf.
Von denen, die überhaupt Auslandspläne haben, planen zu Beginn
des Studiums fast 60% ihren Auslandsaufenthalt als Studium. Nach der Zwischenprüfung
im 5. und 6. Semester sind es nur noch 40%, zum Ende des Studiums nur noch
etwa ein Viertel. Für die Bildungspolitik lassen sich hieraus zwei
Schlußfolgerungen ableiten:
1. Interventionen sollten frühzeitig erfolgen, möglichst gleich zu Beginn des Studiums und sicherlich noch vor Abschluß der Zwischenprüfung. Je später ein Angebot die Studierenden erreicht, um so geringer sind seine Chancen, angenommen zu werden.
2. Will man dennoch Studierende auch in höheren Semestern erreichen, muß über alternative Formen studienbezogener Auslandsaufenthalte nachgedacht werden. Die traditionellen Formen (Auslandsstudium und -praktikum) dürften mit zunehmender Semesterzahl auf Akzeptanzprobleme stoßen; wenn Studierende höherer Semester überhaupt Auslandspläne hegen, dann planen sie sie in hohem Maße als "sonstigen" studienbezogenen Auslandsaufenthalt.
3. Auf große Akzeptanz bei den Studierenden dürften auch
Auslandsaufenthalte stoßen, die ausdrücklich für die Zeit
nach Studienabschluß angeboten werden. Wie
sich
Abb.
7.16 entnehmen läßt, planen viele Studierender in höheren
Semestern keinen studien- bzw. berufsbezogenen Auslandsaufenthalt mehr
für die Zeit ihres Studiums, sie planen einen solchen aber in großer
Zahl für die Zeit nach dem Studium (Datengrundlage: "Internationalisierung
des Studiums"). Möglicherweise könnten sich ein derartiges
Angebot auch studienzeitverkürzend auswirken: Ungünstige Arbeitsmarktaussichten
können ein rasches Ende des Studiums wenig attraktiv erscheinen lassen.
Die Möglichkeit eines (berufsqualifizierenden) Auslandsaufenthalts
direkt nach Studienabschluß könnte so auch die Zeit nach dem
Studium weniger bedrohlich erscheinen lassen.
Zwei Drittel aller studienbezogenen Auslandsaufenthalte führen
nach Europa, ein weiteres Fünftel nach Nordamerika (
vgl.
Abb. 7.17). Der Rest der Welt bleibt nur 16% der Studierenden vorbehalten.
3 1/2% der Studiosi gehen in Staaten der ehemaligen Sowjetunion (vorzugsweise
Rußland), knapp 2% in den Nahen Osten, gut 3% in Länder des
restlichen Asiens. 1 1/2% der Studierenden finden den Weg nach Australien,
2% zieht es nach Südamerika, 1/2% in die Staaten Mittelamerikas.
Eine herausragende Rolle in den Länderpräferenzen nehmen bei
den europäischen Staaten (
vergl.
Abb. 7.18) England (22%) und Frankreich (16%) ein. Immerhin 6% aller
Studierenden führt es nach Italien, 5% nach Spanien. Auch die überwiegend
deutschsprachigen Länder erfreuen sich mit 5% (Schweiz) bzw. 3% (Österreich)
noch einiger Beliebtheit. Allen anderen Ländern des europäischen
Kontinents wird die Aufmerksamkeit von nur 1% oder deutlich weniger der
Studierenden zuteil. Hinter den Länderpräferenzen dürften
zu einem großen Teil Sprachpräferenzen stehen: 60% der Auslandsaufenthalte
führten ins englischsprachige (44%) bzw. französischsprachige
(16%) Ausland (
vgl.
Abb. 7.19). Weitere 8% der Studierenden gingen ins spanischsprachige,
7% ins überwiegend deutschsprachige und 6% ins italienischsprachige
Ausland. Für das restliche knappe Fünftel der Studierenden lassen
sich keine Sprachpräferenzen erkennen.
Auffallend sind die Unterschiede zwischen durchgeführten und geplanten Auslandsaufenthalten für die englischsprachigen Länder: 56% der Studierenden planen einen Auslandsaufenthalt im englischsprachigen Ausland, nur 44% führen auch einen solchen durch. Dies korrespondiert gut mit den entsprechenden Quoten für die USA; dorthin führen 16% aller Auslandsaufenthalte, aber 26% aller Auslandspläne. Der Studienort USA scheint eine hohe Attraktivität zu haben. Gemessen an den Realisierungschancen eine zu hohe Attraktivität, wie es scheint; ein großer Teil dieser Pläne scheitert. Die USA sind das einzige Land mit großen Unterschieden zwischen den Anteilen geplanter und durchgeführter Auslandsaufenthalte; für alle anderen Länder finden sich nur geringfügige Differenzen.
Fast 80 % der Studierenden, die einen studienbezogenen Auslandsaufenthalt
durchgeführt haben, holten zuvor Informationen ein (
vergl.
Abb. 7.20). Dies ist nicht verwunderlich. Schon erstaunlicher ist,
daß 20% dies nicht getan haben! Irgendjemand wird dies für sie
getan haben und den Auslandsaufenthalt organisiert und geplant haben müssen.
Es ist wahrscheinlich, daß dies ganz überwiegend Hochschulen
bzw. Hochschullehrer und -lehrerinnen waren. Von den Studierenden ohne
studienbezogene Auslandserfahrungen, aber mit entsprechenden Plänen
(mindestens "eventuell"), hat sich nur die Hälfte über
ihre Möglichkeiten informiert. Von diesen haben sich informiert: bei
den akademischen Auslandsämtern 50%, bei Hochschullehrern 40%, bei
der allgemeinen Studienberatung 31% und direkt bei einer ausländischen
Stelle 25%. Alle anderen Beratungsquellen wurden nur von einem Fünftel
oder weniger Studierenden besucht. Im Vergleich mit Studierenden, deren
Bemühungen von Erfolg gekrönt waren, fällt auf, daß
diese sich deutlich häufiger beim Akademischen Auslandsamt (61%) und
bei Hochschullehrern (knapp 50%) informiert haben. Ein großer Teil
dieser Studierenden führte ihre Bemühungen auch direkt zu einer
ausländischen Stelle (41% vs.25%). Demgegenüber spielte für
sie die allgemeine Studienberatung eine eher untergeordnetere Rolle (22%
vs. 31%).
Studierende, die den Weg ins Ausland gewählt haben, haben ihn gefunden, nachdem sie sich ganz überwiegend vom Akademischen Auslandsamt, von Hochschullehrern sowie direkt von einer ausländische Stelle haben informieren lassen. Man könnte dies auch als Ursache-Wirkungs-Kette betrachten: Dann müßte empfohlen werden, sich insbesondere beim Akademischen Auslandsamt, bei Hochschullehrern und bei ausländischen Stellen zu informieren. Für die Informationsquellen Hochschullehrer und ausländische Stellen wurde eine solche Empfehlung durch die Bewertung der Qualität der Auskünfte durch die Studierenden bestätigt. Knapp 60% der erfolgreichen Studierenden fühlen sich durch die Hochschullehrer und knapp 70% durch eine ausländische Stelle gut beraten. Die Beratungsqualität durch die Akademischen Auslandsämter scheint demgegenüber niedriger zu sein. Hier vergeben nur gut 40% gute Urteile. Das Dekanat bzw. die allgemeine Studienberatung scheinen hingegen ganz überwiegend die falsche Adresse zu sein: Hier vergeben nur jeweils etwa 5% sehr gute und etwa 15% gute Urteile.
Aussagen zum Zeitaufwand, der für die Suche nach Informationen
für studienbezogene Auslandsaufenthalte von den Studierenden betrieben
worden ist, lassen sich auf Grundlage der 14. Sozialerhebung nicht machen.
Die Angaben in
Abb.
7.21 beziehen sich auf die Befragung "Internationalisierung des
Studiums", von der ausgewählte Fächergruppen erfaßt
wurden. Die Zahlen sind daher nicht direkt mit denen in
Abb.
7.20 vergleichbar. Ein knappes Viertel der hier befragten Studierenden
haben sich über studienbezogene Auslandsaufenthalte überhaupt
nicht informiert. Bei den Studierenden der Psychologie, der Pädagogik
und Sozialpädagogik sind es überdurchschnittliche 33%, bei den
Studierenden der Sozialwissenschaften, der Soziologie und der Politik unterdurchschnittliche
16%. 5 Stunden oder weniger: das entspricht etwa einem halben Arbeitstag.
Es ist auf der Hand liegend, daß ein so geringer Aufwand nur in seltenen
Fällen zum Erfolg führt. Zwischen 40 und 60% der Befragten haben
es bei diesem halbtägigen Einsatz bewenden sein lassen.
Aufschlußreich sind die Unterschiede in den Zahlen für Studierende
mit und ohne studienbezogenen Auslandsaufenthalt (
ebenfalls
Abb. 7.21). Auch hier findet sich (in Übereinstimmung mit den
in
Abb.
7.20 dargestellten Ergebnissen der 14. Sozialerhebung) für Studierende
mit Auslandserfahrungen ein Anteil von 19 %, der mit nur geringem zeitlichen
Aufwand zu einem Auslandsaufenthalt gekommen ist. Knapp 20% der erfolgreichen
Studierenden haben sich etwa einen Tag um Informationen bemüht, weitere
20% mußten 2 bis 3 Tage investieren. Für etwa ein Viertel dieser
Studierenden lag der Zeitaufwand bei ungefähr einer Woche (21 bis
50 Stunden), für 16% führten erst Bemühungen von mehr als
50 Stunden zum gewünschten Erfolg. Daß der Erfolg mit den Bemühungen
direkt in Zusammenhang steht, zeigen die Zahlen für Studierende, die
bisher nicht studienbezogen im Ausland waren: Von ihnen haben nur 8 % etwa
eine Woche nach Informationen gesucht; nur 3 % investierten für die
Informationssuche mehr als 50 Std. Zusammenfassend läßt sich
sagen: Ein Zeitaufwand von mehreren Tagen zur Informationssuche muß
eingeplant werden, wenn Auslandspläne nicht scheitern sollen.
|
|
© 1997,
Hochschul-Informations-System GmbH Hannover
Peter Müßig-Trapp (muessig@his.de)