Internationalisierung des Studiums [] Hochschul-Informations-System

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Kapitel 3

Anlage der Untersuchung

3.0 Einführung

Für die Analysen dieser Untersuchung konnte auf drei wichtige Datenquellen zurückgegriffen werden: die Befragung von Studierenden zur Internationalisierung, die 14. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerkes zur wirtschaftlichen und sozialen Lage der Studierenden sowie eine Stellenanzeigenanalyse. Die beiden letzteren haben ergänzende bzw. absichernde Funktion.

3.1 "Internationalisierung des Studiums" - schriftliche Befragung ausgewählter Studierendengruppen

Die im April 1996 durchgeführte Befragung "Internationalisierung des Studiums" wurde unter drei zentralen Zielvorstellungen durchgeführt: Es sollten

1. Erkenntnisse gewonnen werden zu bisher nicht untersuchten Aspekten studentischer Auslandsmobilität und der Internationalisierung des Studiums (z.B. die Auswirkungen von Persönlichkeitsstrukturen auf studentische Auslandsmobilität, die Akzeptanz unterschiedlicher Formen internationalisierter Curricula etc.);

2. Daten zur Verfügung gestellt werden, die ein vertieftes Verständnis der in der Vergangenheit diskutierten Aspekte der Internationalisierung des Studiums möglich machen (z.B. zur Qualität der Fremdsprachenkenntnisse, zu den subjektiven wie objektiven Faktoren, die einen studienbezogenen Auslandsaufenthalt begünstigen bzw. behindern etc.);

3. Insbesondere für diejenigen Studierendengruppen sollten Aussagen getroffen werden können, für die sich in den bisherigen Untersuchungen eine besonders niedrige Bereitschaft fand, studienbezogene Auslandsaufenthalte durchzuführen.

3.1.1 Auswahl der Stichprobe

Die angestrebte Stichprobengröße (mind. 3000 auswertbare Fragebögen) veranlaßt, als Grundgesamtheit nicht die Gesamtheit aller Studierenden zu wählen. Da Aussagen gemacht werden sollen sowohl für Studierende an Universitäten wie an Fachhochschulen in den alten und den neuen Ländern, wurde eine Auswahl nach Studienfächern getroffen.

In einer Reihe von Studienfächern ist eine internationale Orientierung schon auf Grund der Themenstellung zwingend; ihre Notwendigkeit liegt auf der Hand, entsprechende Auslandserfahrungen und Kenntnisse werden auf dem Arbeitsmarkt nachgefragt. Dies gilt insbesondere für sprachwissenschaftliche Fächer, für einen Teil der kulturwissenschaftlichen Fächer, für die Rechtswissenschaften (europäisches Recht) und insbesondere für Wirtschaftswissenschaften (internationale Wirtschaftsbeziehungen).

Das hochschulpolitische Schlagwort von der "Internationalisierung des Curriculums" mit Inhalt und Leben zu füllen, fällt für diese Fächer nicht schwer. Der Anteil Studierender mit Auslandserfahrungen ist in diesen Fächern vergleichsweise hoch (Sprach-/Kulturwiss.: 38%, Rechts-/Wirtschaftswiss.: 23%). Ein guter Teil derzeit bestehender, internationalisierter Curricula findet sich in diesen Fächern (insb. Wirtschaftswissenschaften); dies gilt sowohl für Deutschland als auch für das (europäische) Ausland.

Schwieriger wird es, spezifische internationale Themen in den sozial- und geisteswissenschaftlichen Fächern zu finden; noch schwieriger ist es im naturwissenschaftl.-technischen Bereich: "das Moment der 'Universalisierung' ist [der] Wissenschaft inhärent", schreibt der Wissenschaftsrat; die Themen der in Deutschland gelehrten Natur- und Ingenieurswissenschaften unterscheiden sich nicht von denen im Ausland. Welche Bedeutung der Begriff "Internationalisierung des Curriculums" für diese Fachbereiche haben könnte, bleibt oft unklar. Das jenseits klar benennbarer internationaler Themen auch die Ausbildung von z. B. kommunikativer Kompetenzen mit Menschen aus anderen Kulturkreisen eine Internationalisierung des Studiums bedeuten könnte, scheint häufig nicht gesehen zu werden.

Die Befragung beschränkt sich daher auf Studierende der naturwissenschaftlich-technischen Studiengänge sowie auf Studierende der Sozialwissenschaften/Psychologie/Pädagogik,

Als Vergleichsgruppe werden darüber hinaus die Studierenden der Betriebswirtschaftslehre befragt (als eine Gruppe mit in der Vergangenheit durchschnittlicher Auslandsmobilität).

Auf der Grundlage dieser Überlegungen werden die aus der    Abbildung 3.1 ersichtlichen Studienfächer in die Stichprobe aufgenommen. Eine Einschränkung der Stichprobe wurde durch die Entscheidung vorgenommen, nur Studierende höherer Semester zu befragen (ab dem 8. Semester an Universitäten, ab dem 6. Semester an Fachhochschulen): Bei Studierenden ab dieser Semesterzahl ist eine Entscheidung bezüglich studienbezogener Auslandsaufenthalte in der Regel gefallen und ein Auslandsaufenthalt wurde entweder bereits durchgeführt oder wird nicht mehr erfolgen. Weiter wurden nur deutsche Studierende und nur Studierende im Erststudium in die Stichprobe einbezogen.

3.1.2 Rücklauf und Repräsentativität

Nach den eingegangenen Meldungen der Hochschulen wurden abzüglich der unzustellbaren Sendungen insgesamt 7912 Studierende mit Befragungsunterlagen versorgt. Von 3260 Studierenden wurde ein Rücklauf registriert. 11 Rückläufe wurden im Rahmen der Plausibilitätsprüfung ausgesondert, so daß der letztlich verwertbare Rücklauf 3249 Fragebogen umfaßt. Die Nettorücklaufquote liegt damit bei 41,1%.

Aus den dargelegten Gründen wurden für diese Befragung nur Studierende einiger weniger ausgewählter Studienfächer berücksichtigt, die sich im Hinblick auf die zentralen Fragestellungen dieser Untersuchung in ihrem Verhalten deutlich vom bundesdeutschen Durchschnittsstudierenden unterscheiden. Auf der Grundlage dieser Befragung können daher keine repräsentativen Aussagen für alle deutschen Studierenden getroffen werden. Die Repräsentativitätsprüfung für die einzelnen Studienfächer hatte das Problem zu lösen, daß für die gewählten Grundgesamtheiten (nur deutsche Studierende, nur Erststudierende, nur Studierende ab dem 6. bzw. ab dem 8. Semester) keine Vergleichsdaten der amtlichen Statistik verfügbar waren. Aus diesem Grunde wurde zur Repräsentativitätsprüfung der Datenbestand der 14. Sozialerhebung aus dem Jahr 1994 herangezogen.

Geprüft wurde nach den Strukturmerkmalen Geschlecht, Alter und durchschnittliches Hochschulsemester. Die durchschnittliche Abweichung für alle Befragten liegt für das Merkmal Geschlecht bei 2,5 Prozentpunkten, für das Durchschnittsalter bei 0,5 Jahren, für Hochschulsemester bei 0,4 Semestern. Bei den in dieser Untersuchung befragten Studierenden sind im Vergleich zur 14. Sozialerhebung also Frauen geringfügig überrepräsentiert, ebenso wie ältere Studierende und Studierende in höheren Hochschulsemestern ( vgl. Kapitel A.2).

Während daher im allgemeinen die Repräsentativität des Rücklaufs gegeben ist, muß bei der Interpretation der berechneten Auslandsstudienquoten mit Vorsicht zu Werke gegangen werden: Wir gehen davon aus, daß die im allgemeinen deutlich gestiegenen Quoten zum größeren Teil durch tatsächliche Veränderungen in den vergangenen zwei Jahren bewirkt werden. Ein kleinerer Teil dieser Steigerung könnte sich aber auch durch eine geringfügige Überrepräsentierung von Studierenden mit Interesse an einer Internationalisierung des Studiums ergeben. Vor dem Hintergrund dieser Überlegung sind diese Ergebnisse daher dann als Tendenzaussagen zu betrachten.

3.1.3 Fragebogen

Mit dieser Befragung sollen einerseits differenzierende Analysen zu auch in der Vergangenheit erhobenen Aspekten der Internationalisierung des Studiums durchgeführt und andererseits neue, bisher empirisch weniger untersuchte Aspekte wie z.B. die Auswirkung der Persönlichkeitsstruktur und die Akzeptanz verschiedener Modelle internationalisierter Curricula erfaßt werden. Aus diesem Grund enthält der Fragebogen einerseits einen Fragenkanon üblicherweise gestellter Fragen, die insbesondere in den letzten Sozialerhebungen regelmäßig abgefragt wurden, und andererseits Fragen, die entweder diese Aspekte einer tiefergehenden Analyse zugänglich machen oder aber völlig neue Aspekte behandeln.

Soweit nicht wichtige Gründe dagegen sprachen, sind bei der Erhebung aller Daten, die auch in den Sozialerhebungen erfragt werden, die gleichen Frageformulierungen und das gleiche Fragenlayout verwendet worden. Dies ermöglicht einerseits die Bildung von Zeitreihen und erlaubt andererseits Rückschlüsse auf das Verhalten von nicht in dieser Befragung enthaltenen Studierendengruppen.

Die inhaltliche Ausgestaltung des Fragebogens ( vgl. Anhang B) wurde vor dem Hintergrund der in  Kapitel 2 genannten zentralen Untersuchungsanliegen und auf der Grundlage der Literaturrecherche (dies betrifft insbesondere die Szenarien internationalisierter Curricula) und von Interviews mit Studierenden vorgenommen. Der erste Entwurf des Fragebogens wurde mit Fachleuten aus akademischen Auslandsämtern, mit NUFFIC (Nederlandse Organisatie voor Internationale Samenwerking in het Hoger Onderwijs) und dem BMBF diskutiert. Darüber hinaus wurde der Fragebogen einem Pretest unterzogen, bei dem er einerseits auf Unklarheiten, Unstimmigkeiten und Mißverständlichkeit geprüft und andererseits auch einer ausgiebigen inhaltlichen Diskussion mit den Studierenden unterzogen wurde. Nach umfangreichen Modifikationen, angeregt durch die Diskussion mit den genannten Fachleuten und durch den Pretest, erhielt der Fragebogen seine endgültige Auslegung.

3.2  14. Sozialerhebung

Alle Fragen, bei denen eine flächendeckende Repräsentativität von Bedeutung ist, wurden mit Daten der 14. Sozialerhebung beantwortet. Anspruch der Sozialerhebung ist es, repräsentative Daten zur sozialen Lage der Studierenden bereitzustellen. Auf die Frage der studentischen Auslandsmobilität kann die 14. Sozialerhebung nur verkürzt, auf die Frage der Akzeptanz internationalisierter Curricula kann sie gar nicht eingehen. In dieser von HIS Hochschul-Informations-System GmbH durchgeführten und vom Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie (BMBF) geförderten Erhebung des Deutschen Studentenwerks (DSW) werden 27.500 deutsche Studierende zu ihrer sozialen und wirtschaftlichen Lage befragt. Unter der Überschrift "Als Studierender ins Ausland - Einstellungen, Interessen und Erfahrungen" werden die Studierenden nach Gründen für und gegen einen Studienaufenthalt im Ausland gefragt. Es werden Daten erhoben zur Art und zur Finanzierung durchgeführter Auslandsaufenthalte, zu möglicherweise geplanten studienbezogenen Auslandsaufenthalten, zur Informationsqualität und zu Informationsmöglichkeiten über ein Auslandsstudienaufenthalt sowie über die Qualität der Fremdsprachenkenntnisse. Die Repräsentativität der Sozialerhebung ist auf Bundesebene und für die Teilgebiete alte und neue Länder für die Strukturmerkmale Geschlecht, Fächergruppe, Abschlußart und Hochschulart gewährleistet. Näheres hierzu findet sich im Bericht zur 14. Sozialerhebung (BMBF, 1995, S. 11 ff). Für die hiermit vorgelegte Untersuchung wurden zum Teil neue Auswertungen durchgeführt, zum Teil aber auch Material aus der Veröffentlichung "Auslandsstudienaufenthalt deutscher Studierender, Ergebnisse der 14. Sozialerhebung des Studentenwerks", 1996 übernommen.

3.3 Stellenanzeigenanalyse

Ziel der Stellenanzeigenanalyse war es, Material zusammenzutragen zur Arbeitsmarktrelevanz "internationaler Fähigkeiten" für die von uns befragten Studierendengruppen. Ausgewertet wurden sämtliche Stellenanzeigen aus jeweils zwei Ausgaben vier überregionaler Tageszeitungen, und zwar jeweils die erste Ausgabe des IV. Quartals 1995 und die zweite Ausgabe des I. Quartals 1996. Ursprünglich war geplant, auch lediglich regional erscheinende Tageszeitungen in die Auswertung mit einzubeziehen. In diesen fanden sich jedoch nur ganz wenige Anzeigen, die für das uns interessierende Klientel in Frage kamen.

Die Analyse wurde auf Stellenanzeigen beschränkt, auf die sich die von uns befragten Studierenden nach Abschluß ihres Studiums hätten bewerben können. Im Datenbestand befinden sich daher nur Stellenanzeigen, in denen nach Ingenieuren, Naturwissenschaftlern, Informatikern, Betriebswirten, Sozialwissenschaftlern, Psychologen, Pädagogen, Sozialpädagogen und Sozialarbeitern gesucht wurde. In den wenigen Fällen, in denen durch eine Anzeige mehrere Stellen angeboten wurden, wurde jedes Stellenangebot als ein Fall behandelt, so daß die Anzahl der insgesamt ausgewerteten Stellenanzeigen geringfügig niedriger ist als die Anzahl der in der Datei enthaltenen Datensätze. Für die Auswertung standen insgesamt 1.360 Stellenangebote zur Verfügung. Hiervon entfielen 685 auf die Frankfurter Allgemeine Zeitung, 111 auf die Frankfurter Rundschau, 182 auf Die Zeit und 386 auf die Süddeutsche Zeitung. Für jeden Fall wurden folgende Merkmale erhoben:

  • gesuchter Hochschulabschluß
  • gesuchte Hochschulart
  • renommierte Hochschule gesucht?
  • kurze Studienzeit erwartet?
  • guter Abschluß erwartet?
  • allgemeine Berufserfahrungen
  • Berufserfahrungen im inserierten Bereich
  • Höchstalter
  • internationale Berufserfahrungen
  • öffentlicher und privater Arbeitgeber
  • Soziale Kompetenz erwartet?
  • Englischkenntnisse
  • weitere Fremdsprachen
  • Anzahl erforderlicher Fremdsprachen
  • nationale Reisebereitschaft
  • internationale Reisebereitschaft
  • berufliche Auslandskontakte abzusehen?
  • Gelegentlich wurden in Anzeigen Kenntnisse oder Fertigkeiten implizit verlangt, ohne explizit genannt zu sein. Sofern dies zweifelsfrei zu erkennen war, sind auch solche Anforderungen vercodet worden. Bei englischsprachigen Anzeigen wurde davon ausgegangen, daß Englischkenntnisse erwartet werden, ebenso wie davon ausgegangen wurde, daß von Außenhandelsvertretern Reisebereitschaft erwartet wird, auch wenn dies in der Anzeige nicht ausdrücklich genannt ist.

      Nächstes Kapitel: 4 Entwicklungstendenzen internationalisierten Studierens

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