Internationalisierung des Studiums [] Hochschul-Informations-System

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Kapitel 2

Untersuchungsgegenstand und Fragestellungen

2.0 Einführung

Gegenstand der Untersuchung ist die  studentische Auslandsmobilität und die Internationalisierung des Curriculums. Im Begleitschreiben zum Fragebogen wurden den Befragten die Ziele dieser Untersuchung wie folgt erläutert:

"Von den Herausforderungen und Chancen, die sich durch den europäischen Integrationsprozeß ergeben, sind das Bildungswesen und die Hochschulbildung in besonderer Weise betroffen: Internationale Kooperation und Verständigung entsteht nicht durch Absichtserklärungen von Regierungen und Institutionen. Sie kann nur erreicht werden mit Menschen, die lernen - über nationale Grenzen hinaus - sich zu verständigen und gegenseitig zu verstehen. Die deutsche Bildungspolitik kann und will diesen Internationalisierungsprozess unterstützen und fördern. ... Die Ergebnisse dieser Untersuchung sollen helfen, Politik im Bereich der Hochschulbildung zu gestalten. Die Antworten, die Sie im anliegenden Fragebogen geben, entscheiden mit darüber, welche Wege bei der Internationalisierung und Europäisierung der Hochschulausbildung beschritten werden. Wir möchten Sie herzlich bitten, sich an dieser Befragung zu beteiligen. Damit Entscheidungen nicht "am grünen Tisch", sondern auf Grundlage Ihrer Erfahrungen und Ihrer Vorstellungen getroffen werden!"

Das Anschreiben umreißt zutreffend die allgemeinen Ziele dieser Untersuchung: Zur Vorbereitung bildungspolitischer Entscheidungen sollen aktuelle Meinungen, Einstellungen und Erwartungen Studierender zur Internationalisierung des Studiums erfragt und die Akzeptanz unterschiedlicher Steuerungsinstrumente und Hilfsangebote ermittelt werden, mit denen eine Internationalisierung von Lehre und Studium vorangetrieben werden kann.

2.1 Fragestellungen

Im Zentrum des Interesses stehen dabei drei miteinander verknüpfte Fragenkomplexe:

  1. Welche Faktoren (persönliche, gesellschaftliche, subjektive, objektive) hindern Studierende, ein (Teil-)Studium im Ausland aufzunehmen oder in anderer Form einen studiebezogenen Auslandsaufenthalt durchzuführen?
  2. Welche Angebote könnten eine stärkere internationale Orientierung von Studierenden bewirken, denen ein studienbezogener Auslandsaufenthalt nicht möglich ist / deren Hindernisse nicht überwunden werden können? Welche Angebote stoßen bei dieser Gruppe von Studierenden auf Akzeptanz? Welche Faktoren könnten Studierende hindern, internationalisierte Studienangebote wahrzunehmen?
  3. Welche Maßnahmen können zur Überwindung der Hindernisse beitragen, die sich einer größeren Auslandsmobilität Studierender bzw. einer Internationalisierung des Curriculums in den Weg stellen?

Studentische Auslandsmobilität (1.) und Internationalisierung des Curriculums (2.) werden hier als alternative Möglichkeiten einer Internationalisierung des Studiums aufgeführt. Die Internationalisierung des Curriculums steht dabei aber erstens in der Gefahr, als "zweitbeste" Möglichkeit - nach der "besseren" Auslandsmobilität - unterbewertet zu werden. Zweitens entspricht die getrennte Betrachtung der beiden Bereiche zwar sowohl der hochschulpolitischen Diskussion als auch z. B. der Förderungssystematik des Bildungsprogramms der Europäischen Union SOKRATES; eine solche Trennung bildet jedoch nur unzureichend die Möglichkeiten und Inhalte ab, die in vielen Formen internationalisierter Studienangebote enthalten sind. Sicherlich sind internationalisierte Curricula auch eine Alternative für immobile Studierende, sie können aber ebenso als Wegbereiter und Initialzünder für einen späteren Auslandsaufenthalt betrachtet werden. Häufig finden sich auch Angebote (sowohl in der Realität als auch in den von uns vorgestellten Modellen,  (vgl. Kapitel 8), die sich keinem der beiden Bereiche trennscharf zuordnen lassen: die Übergänge sind fließend und internationalisierte Curricula beinhalten ganz überwiegend zumindest Optionen auf einen Auslandsaufenthalt. Die aus systematischen Gründen im Bericht getrennt erfolgende Diskussion von Auslandsmobilität und Internationalisierung des Curriculums sollte daher nicht als konzeptionelle Trennung mißverstanden werden: beide Bereiche sind eng miteinander verwoben; bei der Implementierung internationalisierter Studienmöglichkeiten können und sollten beide Formen als sich ergänzende und aufeinander beziehende Angebote entwickelt werden.

2.2 Wegweiser durch den Bericht

In  Kapitel 3 werden methodische Hinweise gegeben, soweit sie für die Interpretation und Einordnung der Ergebnisse von Bedeutung sind: Das Kapitel enthält Kurzbeschreibungen der verwendeten Datenquellen und Angaben zu den Auswahlkriterien bei der Stichprobenziehung sowie zur Repräsentativität der Daten.

  Kapitel 4 gibt einen Überblick über die Entwicklungstendenzen internationalisierten Studierens. Nach einer Erörterung der Berechnungsverfahren verschiedener, in der bildungspolitischen Diskussion verwendeter Auslandsstudienquoten werden Veränderungen studentischer Auslandsmobilität dargestellt: einerseits für alle Studierende in langer Zeitreihe (1951-1994) und andererseits für den Zeitraum 1982-1996 differenziert nach Studienfach und Hochschulart. In   Kapitel 4.2 wird die Auslandsmobilität deutscher Studierender im Kontext eines europäischen und internationalen Vergleichs diskutiert.

Fremdsprachenkenntnisse sind sowohl für studentische Auslandsmobilität als auch für die Akzeptanz internationalisierter Curricula von entscheidender Bedeutung. Sie werden daher in  Kapitel 5 gesondert betrachtet.

Gleiches gilt für die im  6. Kapitel erörterte Arbeitsmarktrelevanz internationaler Qualifikationen und Fähigkeiten. Auch sie wird in einem eigenen Abschnitt geschlossen diskutiert. Die Sonderbehandlung dieser beiden Aspekte gestattet eine ihrer Bedeutung angemessene vertiefende Betrachtung, führt aber dazu, daß sich gelegentliche Wiederholungen und Querverweise in den folgenden Kapiteln nicht immer vermeiden lassen.

In  Kapitel 7 wird ausführlich die studentische Auslandsmobilität untersucht: Erstmals können auch Ergebnisse zu Auslandsaufenthalten vorgelegt werden, die nicht im direkten Zusammenhang mit dem Studium durchgeführt wurden, aber in den Intentionen der Studierenden über reine Urlaubsreisen hinausweisen. Im nachfolgenden Unterkapitel werden Ergebnisse für alle deutschen Studierenden ausgewiesen (auf der Grundlage der 14. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks). Die Detailanalysen des  Kapitel 7.4 vertiefen und erweitern die Betrachtung; da sie auf der Grundlage der für den vorliegenden Bericht durchgeführten Befragung angestellt wurden, geben diese Ergebnisse Aufschluß über das Verhalten ausgewählter Studierendengruppen und sind nicht repräsentativ für alle deutschen Studierenden.

  Kapitel 8 schließlich behandelt die Akzeptanz verschiedener Formen internationalisierten Studierens. Zahlreiche der vorgestellten Modelle können als Prototypen internationalisierter Curricula im engeren Sinne gelten. Es wird untersucht, inwieweit verschiedene Merkmale wie z. B. die Persönlichkeitsstruktur der Studierenden oder ihre Fremdsprachenkenntnisse Einfluß haben auf die Akzeptanz der Modelle.

In den  Anhang A wurden alle methodischen Hinweise aufgenommen, die nicht unbedingt zum Verständnis der Analysen oder für die Interpretation der Ergebnisse erforderlich, aber möglicherweise dennoch von Interesse sind (z. B. die Operationalisierung des Persönlichkeitsfaktors Extraversion). Im  Anhang B findet sich der komplette Fragebogen mit Randauszählung. Es werden für jede Frage die Ergebnisse der Befragung ausgewiesen, differenziert nach den Studienbereichen Naturwissenschaft/Technik, Sozialwissenschaften/Psychologie/Pädagogik sowie Betriebswirtschaftslehre.

  Nächstes Kapitel: 3 Anlage der Untersuchung

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